Segeltörn trotz Corona?

Aktualisiert: Mai 9

Wie du trotz Corona 2021 verantwortungsvoll und sicher segeln kannst


Über ein Jahr sind wir in Deutschland aufgrund von Corona schon im Lock-Down oder leben zumindest mit Einschränkungen. Viele treibt das Fernweh und die Reiselust an. Und Segler sehen sich natürlich nach dem nächsten Törn in der Sonne - ob als Bootseigner oder Yachtcharterer. Aber was ist zu beachten, wenn ich während der Corona Pandemie segeln gehe? Und wie kann ich das möglichst verantwortungsvoll tun? Wie kann ich das Risiko für meine Crew, meine Umgebung vor Ort und mich selbst möglichst gering halten?


Falls du dich für einen Törn in 2021 entscheiden solltest, dann sind hier sind meine neun Tipps für das Segeln trotz COVID19:



1. Reise mit dem Auto an


Es gibt so viele wunderbare Segelreviere um den ganzen Globus herum. Griechenland, die Karibik und Thailand sind einige meiner Highlights. Leider ist die Anreise zu einem Segeltörn dorthin nur per Flugzeug möglich. Ich würde dir empfehlen, diese Checkboxen auf deiner Bucketlist lieber in den kommenden Jahren abzuarbeiten und dir für 2021 ein Ziel auszusuchen, zu dem du mit dem Auto anreisen kannst.


Natürlich ist das Fliegen nicht verboten, aber es gibt für Segler so viele tolle Reviere, die per Auto erreichbar sind, dass es sich empfiehlt, zweimal zwei Flughäfen und zwei vielleicht voll besetzte Flugzeuge in der derzeitigen Situation zu meiden. Außerdem entgehst du so dem Risiko, bei einem eventuell positiven Corona-Test vor der Rückreise von der Fluggesellschaft nicht mitgenommen zu werden und krank alleine im Ausland bleiben zu müssen.



Aber wohin soll es dann mit dem Auto am besten gehen? Kroatien ist natürlich als eines der beliebtesten Segelreviere immer naheliegend: die Infrastruktur ist super, es gibt viele (neue) Marinas, etliche Bojenfelder, tolle einsame Buchten zum Ankern. Außerdem ist das Angebot für Charterboote vielfältig und es ist einfach ein traumhaftes Revier, egal für welche Region du dich dort entscheidest. Außer Kroatien gibt es aber noch viele andere Segelreviere, die du per Auto erreichen kannst: Holland und Dänemark im Norden, Italien und Frankreich im Süden von Deutschland. Oder du denkst mal über "Segeln dahoam" nach und erkundest die Ost- oder Nordsee. Letztere ist allerdings nur für erfahrene Skipper zu empfehlen, da sie zu den anspruchsvollsten Segelrevieren Europas zählt.



2. Reise mit kleiner Crew


Obwohl ich ja sonst ein großer Fan des Flottillensegelns bin, würde ich zur Zeit sagen: falls es auch ohne Flottille für dich möglich ist, dann chartere während der Corona Pandemie lieber ein sogenanntes Bareboat. Flottillen leben ja auch ein bisschen vom Austausch der teilnehmenden Crews untereinander und in jedem Fall mit der Lead Crew und das sind zusätzliche Kontakte, die du dir durch den Verzicht ersparst.


Auch ansonsten gilt wie so oft in den letzten 13 Monaten: weniger ist mehr. Auch wenn Segeln in großen Gruppen oder mit mehreren Booten wahnsinnig viel Spaß macht, solltest du es jetzt lieber klein halten. Reise nur innerhalb deiner Familie (oder deines Haushalts, wie man ja derzeit so schön sagt) oder zumindest in einer kleinen Gruppe.



3. Testen, testen, testen


Auch falls es nicht ohnehin Einreisebedingung im Ziel- oder Transit-Land ist, lass dich (und auch alle deine Crewmitglieder) möglichst zeitnah zur Abreise auf COVID19 testen, um kein unnötiges Risiko einzugehen. Hierzu kannst du zum Hausarzt gehen, in eines der öffentlichen Testcenter oder einen Selbsttest machen. Denk bei den ersten beiden Optionen daran, rechtzeitig einen Termin zu buchen. Gerade in der Urlaubszeit sind die Slots schnell vergeben.


Corona Test

Gleiches gilt für die Rückreise. Lass dich vor deiner Einreise nach Deutschland testen oder mach zumindest einen Selbsttest, um deine Mitmenschen und Kontakte zu schützen. Derzeit (April 2021) ist es ohnehin für Hochinzidenz- und Virusvariantengebiete Pflicht bei Einreise nach Deutschland einen Corona Test vorzulegen (kein Selbsttest!). Hierzu musst du herausfinden, wo du dich in deiner Reiseregion testen lassen und ob, wie und wann du einen Termin vereinbaren kannst.



4. Kenne die RKI Einstufung deines Reiseziels


Welches Land und welche Regionen aus deutscher Sicht Risikogebiete, Hochinzidenzgebiete oder Virusvarianten-Gebiete sind, kann sich täglich ändern. Den neusten Stand kannst du jederzeit auf der Website des RKI abrufen. Das ist wichtig, damit du die Regeln zur Wiedereinreise nach Deutschland kennst, an die du dich halten musst.


Aktualisierung 09.05.2021: Seit Kurzem gibt es den Reisemanager, der dir bei der Planung deiner Reise während der Corona Pandemie mit allen Regeln und Bestimmungen hilft.



5. Kenne die lokalen Corona Regeln


Die Corona Regeln sind in jedem Land anders. Teilweise unterscheiden sie sich auch von Region zu Region. Mach dich also schlau, welche Regeln für dein Segelrevier gelten. Auf folgende Fragen solltest du eine Antwort haben:


Segeltörn trotz Corona
  • Wie lauten die Einreiseregeln? Brauchst du einen negativen Corona-Test? Wie alt darf dieser sein? Muss es ein PCR-Test sein oder reicht auch ein Antigen-Schnelltest?

  • Wo muss man Masken tragen? Muss es eine FFP2 Maske sein?

  • Welche Geschäfte haben geöffnet? Musst du mehr Proviant aus Deutschland mitnehmen?

  • Sind Restaurants geöffnet oder musst du für die Einkaufsliste mit mehr Selbstverpflegung an Bord rechnen?

  • Ist die Personenanzahl, mit der man sich in einer Gruppe bewegen darf, beschränkt?

  • Geht dein geplanter Törn über Regionen- oder Bezirksgrenzen? Ist ein Überschreiten dieser Grenzen erlaubt oder muss man sich z.B. in nur einer Region aufhalten? Und gelten für diese Regionen evtl. unterschiedliche Antworten auf alle oben stehenden Fragen?

  • Haben alle Marinas, die ihr eingeplant habt, geöffnet? Welche Regeln gelten in der Marina? Maskenpflicht? Zahlung nur per Karte? Etc.

Aktualisierung 09.05.2021: Seit Kurzem gibt es den Reisemanager, der dir bei der Planung deiner Reise während der Corona Pandemie mit allen Regeln und Bestimmungen hilft.


6. Plane deine Route im Voraus


Manche Segler planen ihren Törn sowieso immer im Voraus, andere lassen sich lieber treiben und entscheiden je nach Wind, Wetter und Laune, wo ihr nächster Stopp sein wird. Zumindest für den Fall, dass du auch Häfen ansteuern willst, würde ich dir raten, eine grobe Planung vor Start des Törns zu machen. Prüfe, ob die geplanten Marinas geöffnet haben und suche auch Alternativen, falls sich spontan etwas ändert oder die bevorzugten Marinas voll sind.

Darüber hinaus solltest du darauf achten, ob du während des Törns Regierungsbezirk- oder Regionen-Grenzen überschreitest und prüfen, ob das erlaubt ist und ob du dich auf unterschiedliche Regeln je Region einstellen muss (siehe Punkt 5.).

Das Überschreiten von Landesgrenzen würde ich dir bei einem 1- bis 3-wöchigen Törn nicht empfehlen. Auch bei längeren Törns ist die Frage, ob du nicht genug Abwechslung in einem Land findest. Andernfalls musst du alle hier aufgelisteten Punkte für 2 oder mehr Länder abarbeiten.

Zu guter Letzt geht es nicht nur ums Planen deiner Segelroute, sondern auch deiner Anreise: Plane vor allem an Grenzübergängen mit längeren Wartezeiten durch die zusätzlichen Kontrollen.


7. Reduziere deine Kontakte


Es wird grundsätzlich darum gebeten, so wenig wie möglich zu reisen, weil jede Reise auch immer mit zusätzlichen Kontakten verbunden ist. Das heißt, du solltest versuchen, diese Kontaktanzahl während deines Törns möglichst gering zu halten.


Für An- und Abreise per Auto bedeutet das, wenige und kurze Pausen während der Fahrt zu machen. Falls du etwas essen und trinken willst, dann mach das am besten draußen oder im Auto und nutze drive through - Angebote für den Fall, dass du etwas kaufen musst. Noch besser ist es natürlich, sich genug Verpflegung von zu Hause mitzunehmen.


Während des Segelurlaubs bedeutet das:

  • Festmachen an der Boje oder Ankern ist besser als Marina. Der Grund liegt auf der Hand: du hast automatisch weniger Kontakte.

  • 2 Großeinkäufe sind besser als 7 kleine Shoppingtouren: plane voraus und kaufe selten Lebensmittel ein, dafür gleich für mehrere Tage. Verzichte vielleicht auch einfach auf jeden Tag frische Brötchen zum Frühstück und zaubere zur Abwechslung ein Omelett, ein Porridge oder einen Obstsalat.

  • Essen an Bord ist besser als essen gehen. Kochen an Bord kann Spaß machen, aber oft gehört zum Urlaub auch, sich kulinarisch vom Restaurant verwöhnen zu lassen. In den meisten Fällen schließt das eine aber das andere nicht aus. Viele Restaurants liefern entweder selbst per Dinghy oder machen dir ihre Gerichte zum Abholen fertig. Liegst du an einer Altstadtmole, bedient dich der Kellner der gegenüberliegenden Gaststätte auch oft direkt auf deiner Yacht - und das ist ohnehin ein einmaliges Erlebnis.

  • Alleine ist besser als zusammen. 2021 ist wahrscheinlich nicht das beste Jahr, um Urlaubsbekanntschaften mit anderen Crews zu schließen. Halte Smalltalks kurz und lade am besten keine anderen Crews zu dir an Bord auf ein Anlegebier ein.


8. Special Items für deine Packliste


Dieses Jahr gehören ein paar zusätzliche Zeilen auf deine Packliste.

FFP2 Maske

Nimm auf jeden Fall genug FFP2-Masken mit. Zum Einen als Ersatz, falls die ein oder andere verloren geht, zum Anderen aber auch, weil du nicht eine Woche lang die gleiche Maske tragen sollst. Darüber hinaus sollten auch Corona Selbsttests in deiner Reisetasche landen. Falls sich ein Crewmitglied krank fühlt, habt ihr durch einen Test sofort Gewissheit, ob Corona dahintersteckt oder nicht. Als drittes und letztes empfehle ich dir, genug Desinfektionsmittel für Hände, Einkaufswagen, Bootspapierhüllen und eventuell auch Bootsküche, -bad, -tisch und Navigationsinstrumente mitzunehmen.



9. Für Charterer: Kenne deine Buchungs- und Reiserücktrittsbedingungen


Mach dich vor der Buchung schlau, wie dein Vercharterer mit der COVID19 Sondersituation umgeht. Kannst du auch kurzfristig noch von der Buchung zurücktreten? Falls ja, unter welchen Bedingungen? Nur, falls das Zielland die Grenzen schließt oder z.B. auch wenn Deutschland die Risikokategorie des Reiselands erhöht? Und bekommst du dann deine Zahlung erstattet oder erhältst du "nur" einen Gutschein?



Hast du noch weitere Tipps für andere Segler? Dann hinterlasse gerne einen Kommentar.



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