Segeln in Kroatien: Diese 8 Winde solltest du kennen

Aktualisiert: Aug 25

Jugo, Ostro, Bora und Co. in Kroatien


Das Thema Wind beeinflusst dich als Segler ständig: Während des Segelns sowieso, beim An- und Ablegen, und auch während du irgendwo angelegt liegst (insbesondere am Anker oder an einer Ankerboje). Deshalb solltest du dich als Skipper oder Crew-Member mit den Eigenheiten des jeweiligen Reviers befassen.


Übrigens, den aktuellen Wind- und Wetterbericht kannst du für deinen Segelurlaub in Kroatien über verschiedene Quellen beziehen:

  • in Marinas und Hafenämtern sollte er immer aktuell ausgedruckt aushängen. Verlasse dich aber nicht nur darauf, weil ein Aushang natürlich nie ganz aktuell ist

  • auf Onlineplattformen wie PredictWind, Windy oder Windfinder kannst du dich jederzeit über den aktuellen Zustand und die Vorhersage informieren

  • auf der Website des offiziellen, kroatischen meteorologischen Dienstes findest du die offizielle Wetter- und Windvorhersage

  • Mehrmals täglich wird die Vorhersage inkl. lokaler Gefahren auch per UKW Funk auf kroatisch, englisch und im Sommer auch auf deutsch gesendet. Auf manchen Kanälen auch in Dauerschleife (falls du das nutzen willst, erfrage am besten vor Ort, welcher Kanal das für deine Region ist). Diese Vorhersage wird 3 mal pro Tag aktualisiert. Verlasse dich also nicht nur darauf. Unter folgenden Kanälen kannst du nutzen, je nachdem wo du gerade bist. Bitte erfrage auch die Sendezeiten der Vorhersagen vor Ort. Diese scheinen sich ab und zu zu ändern und/oder das Internet ist sich da nicht ganz einig :-)

  • Rijeka Radio: VHF Kanäle 04, 20, 24

  • Split Radio: VHF Kanäle 07, 21, 23, 81

  • Dubrovnik Radio 04, 07


Nun aber zu den 8 Winden, die du für deinen Segeltörn in Kroatien kennen solltest. Damit du gleich zu Beginn eine schnelle Übersicht bekommst, startet der Artikel mit einer Tabelle, die die wichtigsten Fakten zusammenfasst und anschließend gibt es ausführliche Details zum jedem einzelnen Wind, von dem du für Kroatien gehört haben solltest:


Übersicht der 8 Winde in Kroatien (Bora, Jugo, Levante, Lebic, Nevera und co)

Inhalt:

per Klick kommst du direkt zum entsprechenden Kapitel.

  1. Wie entstehen Winde überhaupt?

  2. Tramontana

  3. Bora

  4. Levante

  5. Jugo

  6. Ostro

  7. Lebic

  8. Nevara

  9. Maestral

  10. Gewitterstürme


1. Wie entstehen Winde überhaupt?


Die meisten Winde entstehen immer dann, wenn Luft versucht aus einem Gebiet mit höherem Luftdruck in ein Gebiet mit niedrigerem Luftdruck auszuweichen, um eine gleichmäßige Verteilung der Luftteilchen herzustellen oder im Zusammenhang mit Gewittern. Dabei gilt: je größer der Unterschied des Luftdrucks, desto stärker der jeweilige Wind. Falls die Luft dabei auch noch Berge überquert, wird der entstehende Wind durch die Gebirgshänge zusätzlich verstärkt und man spricht von “Fallwind”, der sehr kräftig und böig sein kann.


In Kroatien gibt es diesen Effekt zum Beispiel auf Höhe des Velebit-Gebirges bei Senj, wo die Bora oft aufs Meer trifft (“Velebit-Kanal”). Im Sommer werden dort Windgeschwindigkeiten bis zu 80 km/h (9 Beaufort), gemessen - im Winter sogar bis 240 km/h. Dann gilt der Velebit-Kanal als das gefährlichste Seegebiet der Welt!


Gemessen und in Wettervorhersagen angegeben wird Wind in der Regel in Knoten. Oft wird auch die Beaufort-Stufe genannt (die darfst du auch in den einschlägigen Segel- und Bootsführerscheinen lernen). Mit Hilfe der Beaufort-Skala kannst du die Windstärke durch die Beobachtung deiner Umgebung auf See selbst einschätzen. Für Beispielbilder je Stufe schaust du dir am besten Wikipedia an.


Beaufort Skala, Tabelle: Beaufort (Bft) in Knoten (kn), km/h und Erkennungsmerkmal

Sie hatte ursprünglich nur 13 Stufen (inkl. 0), wurde aber irgendwann mal auf bis zu Stufe 17 erweitert. Da diese 5 zusätzlichen Stufen für unsere Zwecke aber unerheblich sind (denn da solltest du schon lange im sicheren Hafen sein!), habe ich dir in der Grafik, nur die traditionellen 0 - 12 aufgelistet.


2. Tramontana


Die kalte Tramontana kommt über die Dolomiten aus Italien zur Adria und gilt meist (!) als Schönwetterbotin. Da die Spitzengeschwindigkeit für diesen Wind “nur” bei 25 Knoten liegt, wird er dir als Segler eher Spaß als Sorge machen. Sie kann aber auch mit kräftigen Böen einhergehen. Da sie großen Schwell verursachen kann, solltest du dann keine Ankerbuchten wählen, die nach Norden hin ungeschützt sind. Nach einem Tag ist sie in der Regel wieder verschwunden. Allerdings kündigt sie auch nicht selten eine darauffolgende Bora an.


3. Bora


Der am häufigsten unter Seglern erwähnte Wind in Kroatien ist die Bora. Von Oktober bis April ist sie besonders gefürchtet. Du kannst zwischen der schwarzen (zyklonale Bora) und der weißen Bora (antizyklonal) unterscheiden. Die zyklonale Bora wird durch ein Tief über Oberitalien ausgelöst, während die antizyklonale durch ein Hoch über der Ukraine ausgelöst wird. Sie weht daher von Nordost bis Ost und kann extrem böig werden.

Zusätzlich zur Bewegung von Luftmassen zwischen verschiedenen Luftdruckgebieten wirken Gebirge im kroatischen Landesinneren. Sie verstärken die Bora mit ihren bis zur Adria hin verlaufenden Tälern wie eine Düse. Hierdurch wird der kalte Wind zum gefährlichen Fallwind, der direkt am Ufer so heftig auf das Wasser auftreffen kann, dass die Gischt spritzt.


Krängung einer Segelyacht bei Starkwind Bora in Mali Losinj Kroatien
Bora vor Mali Losinj

Die Bora erreicht in der Regel Windstärken von 5 bis 7 Beaufort, in Böen allerdings auch deutlich mehr. In solchen Bora-Böen wurden vereinzelt schon Geschwindigkeiten von weit über 200 km/h gemessen. Das wären dann umgerechnet ZWEIMAL 12 Beaufort (= das Ende der Skala).

Wenn die Bora weht oder gemeldet ist, solltest du in jedem Fall einen sicheren Hafen oder eine sehr sichere Bucht anlaufen.


Da die meisten Unfälle auf See in Kroatien aufgrund der Bora passieren, solltest du dich gut damit beschäftigen, wie du sie erkennst. Folgende beispielhafte Situationen (leider kein Anspruch auf Vollständigkeit!) können Hinweise sein:


  • Auf Jugo oder Tramontana folgt manchmal auch eine Bora

  • Wenn sich die Sicht deutlich verbessert und die Quellwolken sich zunächst aufbauen, um sich dann quasi vom Winde verweht in linsenförmige Gebilde (wie z.B. auch Föhnwolken) verwandeln

  • Wenn der Luftdruck innerhalb von 6 bis 12 Stunden um von 5 bis 10 hPa abfällt und dann wieder um 2 bis 3 hPa ansteigt, es dabei von Norden her aufklart und die Temperatur stark abfällt


Gefahrenzonen bei Bora in der Kvarner Bucht, Orte, die während Bora in Kroatien zu meiden sind

Die folgenden Gebiete solltest du während einer Bora mit einer Segelyacht nur ansteuern, wenn du als Skipper sehr viel Erfahrung hast und dich sehr gut mit den Winden, Wetteranalyse und deinem Boot auskennst. Mit anderen Worten: die folgenden Regionen in Kroatien als Segler während der Bora im Zweifelsfall meiden.


Kvarner Bucht:

  • Südteil des Golfs von Triest

  • Golf von Rijeka

  • Kvarner

  • Velebit-Kanal (insb. zw. Rab & Jablanac)

Gefahrenzonen bei Bora in Dalmatien, Orte, die während Bora in Kroatien zu meiden sind
  • Meerenge zwischen den Inseln Krk und Prvic (Düseneffekt)

  • Rund um die Insel Maun


Dalmatien:

  • Zwischen Sibenik und Kap Planka

  • Zwischen Omis und Makarska

Die Bora weht zu jeder Jahreszeit, tritt allerdings im Winter öfter und heftiger auf. Im Sommer dauert sie in der Regel 1-2 Tag, im Winter manchmal bis zu 2 Wochen. Ihre maximale Stärke erreicht sie nachmittags bis abends.



4. Levante


Der Levante ist im Sommer ein beständiger, warmer Ostwind mit meist 3 - 5 Beaufort, in Ausnahmefällen auch bis zu 8. Mit ihm zusammen treten lange, gleichmäßige Wellen auf, weshalb er bei Seglern beliebt ist. Er weht sowohl bei Schönwetter als auch, wenn ein Tiefdruckgebiet für schlechtes Wetter und Wolken an der kroatischen Küste sorgt.


Bei schönem Wetter, weht er am Morgen und Vormittag und geht dann für die zweite Tageshälfte in einen Mistral über. Dieses Phänomen findest du eher in der südlichen Adria vor.


Falls der Levante bis zum Mittag nicht schwächer wird, sondern stärker, bringt er einen Wetterumschwung mit. Dann solltest du einen sicheren Hafen ansteuern.


Im Winter kann der Levante deutlich unangenehmer werden und schlechtes Wetter mit sich bringen. Er wird dann auch Levantare genannt.


5. Jugo


Das Gegenteil zur Bora ist der warm wehende Jugo, der auch als Schirokko bekannt ist. Der Südwind hat seinen Ursprung in Afrika. Ein nicht zu übersehendes Zeichen des Jugos ist braungelber Staub an Deck. Dann hat der Wind Sahara-Sand aufgenommen und bis nach Kroatien transportiert ("Sahara-Staub").

Ein weiteres Anzeichen des Jugos ist steigende Luftfeuchtigkeit. Im Sommer wird er außerdem als unangenehm und schwül empfunden. Der Jugo weht über ein bis zwei Wochen hinweg und baut sich während dieser Zeit stetig auf. Nach ca. 2 Tagen hat er seine maximale Wirkungskraft erreicht.


Da er warme Temperaturen und Feuchtigkeit mit sich bringt, entlädt er sich oft in einem Gewitter.


Welle trifft bei Sturm auf Ufer

Der Jugo tritt häufig im Frühjahr, Frühsommer und Herbst auf und erreicht in der Spitze bis zu 6 - 8 Beaufort, meist aber nur 3 - 4. Da er zudem gleichmäßig weht ist er für dich als Segler eher ungefährlich.


Als einzige Ausnahme gilt, dass es zu starkem Wellengang von bis zu fünf Metern kommen kann. Darauf solltest du insbesondere vor der Küste Istriens achten.


6. Ostro