Segeln mit Baby - geht das?

Baby-Packliste und 7 zentrale Fragen, über die du dir Gedanken machen solltest, bevor du mit deinem Kind in See stichst


Muss man eigentlich sein Hobby "Dickschiffsegeln" aufgeben, sobald man Nachwuchs hat? Oder kann dann immer nur ein Elternteil mit einer Crew losfahren und der andere bleibt zuhause?


Auf Instagram und Co sieht man ja genügend Familien, die mit ihren kleinen Kindern segeln gehen oder sogar dauerhaft mit dem Nachwuchs auf einer Segelyacht wohnen und die Welt umsegeln. Es scheint also zu funktionieren.


Und auch meine persönliche Antwort ist definitiv: Segeln mit Baby ist machbar. Aber natürlich wird der Segelurlaub ein bisschen anders, sobald ein Mini-Me mit an Bord ist.


Segeln mit Kind, Baby

Wir haben unseren ersten Segeltörn als 3er Familie nach Kroatien gemacht, als unser Baby 4,5 Monate alt war. Das heißt, little Peanut (wie sie im Folgenden heißen wird) konnte noch nicht krabbeln, wurde noch voll gestillt und hat viel geschlafen. Das waren alles sehr gute Voraussetzungen.

Wir mussten uns also nicht überlegen, wie viel Essen und Zubehör wir brauchen, ob und wo wir Fläschchen und Co auskochen können oder ob wir ein Reling-Netz anbringen müssen.


Dennoch habe insbesondere ich, die Mama, mir viele Gedanken und Sorgen gemacht, die ich hier mit dir teilen will - inklusive der von uns und für uns gefundenen Lösungen.

Viele der Gedanken stellten sich im Nachhinein als unnötig und übertrieben raus, aber das wusste man natürlich vorher nicht. Außerdem habe ich sie mir auch beim zweiten Törn wieder gemacht... da spielen wahrscheinlich die Mamahormone einen Streich.


Hier siehst du unsere "Baby segelt" - Packliste als Übersicht und im Anschluss alle Fragen, die uns umgetrieben und mit denen wir uns vor Start des Segeltörns beschäftigt haben.


Unsere Segel-Baby-Packliste (4,5 Monate alt):

  • Sonnencreme für Babies (z.B. mineralische von boep)

  • Sonnenhut

  • Stirnband (um die Ohren vor dem ständigen Wind zu schützen)

  • Baby-Sonnenbrille

  • UV-Kleidung

  • Baby-Schwimmweste

  • Reiseapotheke für Babies

  • Mulltücher

  • Windeln (in kleinen Marinas gibt es nicht immer Windeln zu kaufen)

  • Feuchttücher

  • Wundschutzcreme

  • Babypuder

  • Kinderwagen (wir haben den Urban Glide von Thule)

  • Babytrage / Tragetuch

  • Lalizou Nestchen

  • Autoschale

  • Kinderreisepass (rechtzeitig beantragen!)

  • Impfausweis & U-Heft

  • Kontaktdaten für Kinderärzte in der Nähe


Hier jetzt also die die Fragen, zu denen wir uns im Voraus Gedanken gemacht haben:


Wird es zu heiß sein?


Einschlägige Ratgeber zum "Leben mit Baby", empfehlen, die Kleinen in einem Raum mit einer Temperatur zwischen 16 und 18 Grad Celsius schlafen zu lassen. Das ist ja im eigenen zu Hause und im Sommer schon kaum möglich, wie soll das also erst an Bord einer Segelyacht (in unserem Fall auch noch im August) klappen? Ich habe die Frage mit meiner Hebamme besprochen und sie sagte, wir sollen little Peanut eben nur in der Windel oder mit möglichst dünner Kleidung und natürlich ohne Schlafsack schlafen lassen. Ich würde dir aber auf jeden Fall empfehlen, auch nochmal deine eigene Hebamme um Rat zu fragen.


Darüber hinaus haben wir uns ein Charterboot mit Klimaanlage gegönnt und ein kleines tragbares Thermometer mitgenommen, um die Temperatur unter Deck kontrollieren zu können. Wir haben dann abends das Boot mit der Klimaanlage runtergekühlt und dann aber ausgeschaltet, sobald wir ins Bett gegangen sind. Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir little Peanut oben an Deck bei uns schlafen lassen. Während der Nacht haben wir die Klimaanlage nicht mehr genutzt, damit sich niemand erkältet und es ist ruck zuck natürlich wieder viel zu warm (deutlich über 20 Grad) geworden. Zur Abhilfe haben wir mit offenen Türen und Fenstern geschlafen.


Zu guter Letzt haben wir Babypuder mit auf unsere Packliste gesetzt und mitgenommen. Ich hatte es zuvor und zu Hause nicht genutzt, weil eher abgeraten wird, damit die Kleinen das Puder nicht einatmen und dann Atembeschwerden kriegen. Kinderärzte raten deshalb oft dazu, lieber nur Wundschutzcreme zu nehmen. In der kroatischen Sommerhitze hat es uns aber sehr geholfen. Es verteilt sich gut und schnell in alle Babyspeckfalten und schützte little Peanut vor durch das Schwitzen verursachte wunden Stellen. Und da an Bord immer ein bisschen Wind und Durchzug herrscht, bestand - aus unserer Sicht - auch keine Gefahr, dass sie das Puder zu sehr einatmet.


Wo soll das Baby schlafen?


Auf einer normalen Charteryacht sind die Kojen eher klein. D.h. es gibt keinen Platz, ein Babyreisebett oder Beistellbett aufzustellen. Auch schläft man nicht in einem 2 Meter breiten Bett und - je nach dem wie groß die Eltern sind - kann das schon zu zweit eher kuschelig werden. Wir haben für uns eigentlich nur 2 Optionen in Betracht gezogen:

  • ein Elternteil schläft mit little Peanut in einer Koje und der andere Elternteil schläft alleine

  • wir schlafen alle zusammen (also zu dritt) in einer Koje



Für uns war klar, dass die erste Option nicht in Frage kommt, weil wir - gerade im Urlaub - nicht getrennt schlafen wollen. Mit der zweiten Option und einem 4 Monate altem Baby habe ich mir aber Sorgen gemacht, dass sich einer von uns nachts versehentlich auf little Peanut rollt. Viele Mamas sagen an der Stelle, dass das keinesfalls passiert und man auch im Schlaf als Eltern darauf achtet, aber die Gedanken habe ich mir trotzdem gemacht und wir hätten dann einfach 2 Wochen lang schlecht und unruhig geschlafen.

Deshalb haben wir unser Lalizou Nestchen mitgenommen und little Peanut hat darauf in der Koje zwischen uns geschlafen. Wichtig ist allerdings zu sagen, dass sie auf der "linken" (also flacheren Seite) des Nestchens geschlafen hat, damit durch die gepolsterte Umrandung kein Hitzestau entsteht. Wir lieben das Nest von Lalizou, weil es so viele Einsatzmöglichkeiten hat!

Segeln mit Baby, Schlafen im Babynest an Deck

Denn auch tagsüber hat little Peanut im Lalizou Nest oben an Deck geschlafen. Dann allerdings auf der "rechten" Seite, inkl. der Umrandung. Dadurch war immer sichergestellt, dass sie nicht rausfallen kann, auch wenn sich das Segelboot mal mehr krängt. Das Nestchen konnte überall hingestellt werden - auf den Boden oder die Sitzbank. Durch den Stoffbezug ist es nicht verrutscht. Damit sie genug Schatten hat, hatten wir Mulltücher mitgenommen und festgeknotet oder mit Wäscheklammern befestigt.


Kann dem Baby schlecht werden?


Wir Eltern werden nicht seekrank, aber ist das bei unserem Baby auch so? Denn Teile der Großeltern sind nicht so seefest. Kann das vererbt werden? Darauf kann ich leider keine Antwort geben, aber ich kann dir sagen, dass Babies nicht seekrank werden können, solange sie noch nicht laufen können, weil ihr Gleichgewichtssinn dann noch nicht vollständig entwickelt ist.

Darüber hinaus kommt den Babies das Schwanken aus 9 Monaten in Mamas Bauch ja ohnehin bekannt vor. Außerdem bietet das Boot unter Motor oder auch unter Segel immer automatisch ein natürliches weißes Rauschen, das wir Eltern sonst mühevoll mit Staubsauger oder App herstellen. In Kombination mit der vielen frischen Lift hat unsere little Peanut an Bord - ob an oder unter Deck - wunderbar geschlafen.


Wird es zu viel Sonne sein?


Beim Sommerurlaub mit Kleinkindern wird oft empfohlen, sich über die heiße Mittagszeit eher drinnen aber zumindest im Schatten aufzuhalten. Aber wie soll das an Bord eines Segelboots funktionieren? Da ist es drinnen viel zu heiß und draußen zwar an der ein oder anderen Stelle schattig, aber eben auch sehr warm. Darüber hinaus empfehlen Kinderätzt*innen und Hebammen oft, Kinder unter einem Jahr noch nicht mit Sonnencreme einzureiben. Für unseren Urlaub - 2 Wochen auf dem Wasser unter der Sommersonne - haben beide aber vorgeschlagen, von dieser Regel abzuweichen. Also haben wir uns mit Sonnencreme für Babies ausgestattet - allerdings ohne chemische UV-Filter, aber mit physikalischem. Wir nutzen gerne die Creme von eco cosmetics (LSF 45, braucht aber lange zum Einziehen und ist schwerer zu verreiben) oder eine von boep (leichter aufzutragen und weniger Creme-Flecken, aber nur LSF 30)


Was ist, wenn das Kind krank wird?


Natürlich will man das nicht offen, aber oft werden die Kleinen (und auch die Großen) genau im Urlaub krank. Murphys Gesetz? Ja, auch. Aber zusätzlich ist eben im Urlaub vieles anders: Trinkwasser, Essen, Wetter. Das sind viele Auslöser, die uns krank machen können oder zumindest unser Immunsystem schwächen. Bei Babies unter eins gibt es darüber hinaus noch allgemeine und individuelle zusätzliche Risiken.

Deshalb haben wir folgendes vor unserem Segeltörn für unsere geplante Reiseregion recherchiert:

  • Notfall-Telefonnummer

  • Mögliche Seerettungsoptionen, falls wir nicht an einem Hafen liegen, von dem wir per Auto zu einem Kinderarzt /Kinderklink kommen

  • Adressen und Telefonnummer von Kinderärzten und Kinderkliniken entlang unserer geplanten Route

  • Routenplanung mit möglichst geringem Abstand zum Festland (bei gleichzeitig trotzdem schönen Segler-Buchten, Marinas und Inseln), weil dort (zumindest in Kroatien) eine bessere Infrastruktur für gesundheitliche Versorgung herrscht


Hierzu sei noch gesagt, dass wir das alles nicht gebraucht haben und es mag dir total übertrieben vorkommen, aber mich hat es in der Vorbereitung beruhigt, das Gefühl zu haben, auf alles vorbereitet zu sein.


Darüber hinaus haben wir unsere Reiseapotheke um babyspezifische Utensilien erweitert, wie z.B. Fieberzäpfchen, Fieberthermometer.


Kann das Baby ins Wasser fallen / über Bord gehen?


Ja! Deshalb musst du auf jeden Fall eine Babyschwimmweste mitnehmen. Wir haben uns für eine von Secumar entschieden (10 - 15 kg ist die kleinste Größe, die wir gefunden haben). Diese Dinger sind leider nicht sonderlich bequem und deshalb bei den Kleinen auch nicht beliebt. Wir hatten während unseres Törns zum Glück keine kritischen Situationen, in denen little Peanut sie hätte anlegen müssen.

Ansonsten haben wir uns vorab ein paar Regeln zu ihrer Sicherheit gesetzt:

  • Während der Fahrt (und eigentlich auch sonst) ist sie immer uns im Cockpit oder unter Deck (aber niemals allein). D.h. niemand turnt mit ihr auf dem Arm irgendwo auf dem Vordeck oder an der Reling herum. Da sie erst 4,5 Monate alt war, hat sie das eh alles noch nicht interessiert und das liebste Spielzeug waren ohnehin Mama und Papa. Und auf das glitzernde Meer oder die vorbeifliegenden Inseln konnte sie auch von dort aus gucken

Segeln mit Baby, Baby in Babytrage, Mama am Steuer
  • Wenn möglich, sinnvoll und auch von ihr gewollt, tragen wir sie an der Trage bei uns am Körper. Wir nutzten eine von Ergobaby mit Air Mesh Technology, damit beide beteiligten Personen weniger schwitzen. Dann kann sie nirgends anstoßen, runterrollen und nichts auf sie drauffallen. Sie konnte zu dem Zeitpunkt noch nicht krabbeln, d.h. damit sie was sehen kann, musste sie ohnehin auf den Arm oder Schoß genommen werden und sie nur auf einem Arm zu tragen und damit über das Boot zu laufen, war uns einfach zu anstrengend, weil man eben nur eine Hand für das Baby und nur eine Hand, um sich selbst mal irgendwo festzuhalten, hat. Ich stoße mir schon ohne Baby auf dem Arm an Bord oft genug die Zehen :-)

  • Beim An- und Ablegen (oder bei eventuellen Schlechtwetter-Situationen, wie Sturm) sitzt/liegt sie sicher und angeschnallt in ihrer Auto-Babyschale (in unserem Fall eine von Cybex), damit wir uns auf das Manöver konzentrieren können, die Hände frei haben und sie sicher verstaut ist. Ich kenne andere Eltern, die mit Baby gesegelt sind und die Schale zusätzlich mit Leinen festgebunden haben. Das haben wir nicht gemacht, weil es uns auch ohne sicher genug erschien, kannst du aber auf jeden Fall im Hinterkopf behalten und schon mal einen geeigneten Ort im Cockpit zum Anbinden definieren.

  • Wenn Little Peanut über die Gangway von Bord an Land und wieder zurück soll, übergeben wir sie von einer zur anderen Person und balancieren nicht mit ihr auf dem Arm über den schmalen, manchmal wackeligen Steg.

  • Wir fahren so selten wie möglich mit Little Peanut Dinghy. D.h. wir essen oft an Bord, wenn wir in einer Bucht liegen (kochen selbst, lassen was liefern oder holen was) oder

Und zuletzt: werde ich mich entspannen und die Reise auch genießen können? Werde ich auch aktiv am Segeln teilnehmen können?


Vorab schon mal: ja! Aber Segeln mit Baby ist eben was ganz anderes, als Segeln ohne Baby. Es bleibt weniger Me-Time, es wird mehr an Bord gegessen und weniger Essen gegangen, es gibt weniger Schlaf und weniger "alle springen zusammen ins Wasser". Dafür gibt es so viel Familien-Quality-Time und so viel zu sehen, ohne dass little Peanut viel im heißen Auto sitzen muss oder wir die Nächte hindurch fahren müssen.


Aber man muss auch dazu sagen: Ein Elternteil muss sich eigentlich mehr oder weniger immer dem Nachwuchs widmen. Und war ganz einfach: aus Sicherheitsgründen.

Bei uns ist es so, dass beide Elternteile von little Peanut aktive Segler sind und den Urlaub auf dem Wasser genießen. Dementsprechend wollen und können wir auch beide mit anpacken. Zum Glück können wir deshalb (unter normalen Bedingungen) ein Segelboot auch alleine steuern, manövrieren, an- und ablegen und können uns dabei entsprechend abwechseln. Trotzdem ist es bestimmt auch eine gute Idee, die Crew für einen solchen Törn um Großeltern oder Freunde zu erweitern, um im Zweifelsfall noch ein, zwei helfende Hände mehr an Deck zu haben.